Zu den traditionell starken Bereichen in den Außenwirtschaftsbeziehungen zwischen NRW, Hessen und Ungarn - wie Autoindustrie, Maschinenbau, Elektronik- und Lebensmittelindustrie - gesellen sich immer prägnanter neue Schwerpunkte. Hierbei spielen der Strukturwandel und die Wirtschaftsstrategie naturgemäß eine wesentliche Rolle.

Gemäß „Tradition & Innovation wurden in Ungarn anhand des in 2016 verabschiedeten IRINYI PLANs neben den traditionell starken Bereichen sieben neue Sektoren mit hoher Wertschöpfung definiert, die gezielt auch im Bereich Außenwirtschaft gefördert werden sollen. Dazu gehören unter anderem: Gesundheitswirtschaft, Umwelttechnik und grüne Wirtschaft, Elektromobilität und nicht zuletzt Informations- und Kommunikationstechnik.

Im Rahmen des in 2016 installierten „Moderne Städte Programm“s der Regierung werden hochsubventionierte Smart City Projekte geplant. Eines der bedeutendsten Vorhaben in diesem Zusammenhang ist die Realisierung einer der größten Automotive-Teststrecken Europas in der Stadt Zalaegerszeg.

Die Aktivitäten im Bereich Elektromobilität werden vom Jedlik Ányos Elektromobilitätscluster – benannt übrigens nach dem Erfinder von Dynamo und Sodawasser - zusammengefasst.

Startups, Innovation & Digitalisierung sind aktuelle und zentrale Themen auch in Ungarn, dies gilt nicht nur für die diesjährige Veranstaltungsreihe des Generalkonsulats, sondern auch für die nordrhein-westfälische und hessische wie für die ungarische Wirtschaft. Digitalisierung ist ein Treiber der Globalisierung. Jeder zweite Bürger der Welt ist online - kaum ein Unternehmen kommt heute ohne Internet aus. Integrierte Wertschöpfungsketten, Industrie 4.0, digitaler Handel, soziale Netzwerke und Plattformen lassen die Welt noch enger zusammenrücken. Der IKT-Sektor, Grundbaustein der sogenannten 4. Industriellen Revolution, wird in Ungarn gezielt gefördert und weist in manchen Bereichen bereits einen erheblichen Vorsprung auf. Das Programm „Digitaler Wohlstand” konzentriert sich auf die digitale Transformation Ungarns und hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Branche an der Wirtschaftsleistung des Landes über die bereits recht Hohe 13 Prozent zu steigern. Auch die IKT-Exporte sollen in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Die Regierung legt einen hohen Wert auf den Infrastrukturausbau als wichtige Voraussetzung der Digitalisierung. So verfügen mittlerweile 33% der Haushalte über einen Breitbandanschluss mit einer 30 Mbit/s Übertragungsrate (in Deutschland dagegen lediglich 21%). Digitale Versorgung soll in Ungarn zu den „Grundbedürfnissen“ zählen, so sinkt die Mehrwertsteuer auf Internet-Dienstleistungen in 2017 von Regelsatz 27 Prozent auf den reduzierten Satz von 18 Prozent. In 2018 sind sogar weitere Senkungen bis auf 5 Prozent vorgesehen. Hervorzuheben ist ebenfalls die recht weite Verbreitung und Nutzung von elektronischen Behördendiensten. Drei wichtige Säulen des „Digitaler Wohlstand” Programms sind die digitale Exportentwicklungsstrategie, die Bildungsstrategie im Bereich IKT, sowie die Startup-Strategie. Zur Förderung der digitalen Kompetenz in Ungarn soll die innovative Startup-Szene unterstützt werden. Vor allem in der Hauptstadt Budapest ist in den vergangenen Jahren somit ein günstiges Umfeld für IKT Unternehmen entstanden. Zahlreiche innovative Startups aus Ungarn bieten interessante und attraktive Kooperationsmöglichkeiten für Unternehmen der nordrhein-westfälischen und hessischen Wirtschaft.

Neben den erfolgreichen Wirtschaftsbereichen sollen im Sinne der von der ungarischen Regierung erstrebten größeren Diversifikation der Außenwirtschaft neue Zweige mit guten Potentialen gefördert werden um eine größere Unabhängigkeit von konjunkturell bedingten Faktoren zu erzielen. Hierbei kommt dem Agrar- und Lebensmittelsektor eine wesentliche Rolle zu, vor allem in den ungarisch– nordrhein-westfälischen Handelsbeziehungen. Dies hat gute Gründe: die Zentralen zahlreicher großer deutscher Lebensmittel-Konzerne sind in NRW ansässig. Agrarbetriebe und Lebensmittelhersteller aus Ungarn bieten wiederum zuverlässig qualitativ hochwertige Produkte aus dem europäischen Binnenmarkt mit kurzen Lieferwegen im Sinne nachhaltiger Produktion an.

Günstige geographische Lage, gesunde, ertragreiche Böden, gute Wasserversorgung und jahrtausendlange Tradition und Erfahrung sind wichtige Faktoren, welche eine optimale Grundlage für die ungarische Landwirtschaft und somit auch für die heimische Lebensmittelindustrie bedeuten. Die ungarische Regierung beabsichtigt eine strategische Unterstützung der o.g. Bereiche, somit soll der derzeit ca. 6,6% am BIP betragende Anteil des Agrar- und Lebensmittelsektors deutlich erhöht werden.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft wie auch der Lebensmittelindustrie zu steigern, werden Modernisierung und Entwicklung in Ungarn groß geschrieben. Die genannten Bereiche werden u.a. mit Landesmitteln unterstützt. Ziel sind auch höhere Verarbeitungsraten und bessere Vertriebsmöglichkeiten. Laut des Ungarischen Statistischen Landesamtes kann die heimische Lebensmittelindustrie 120 % der Einwohner versorgen, geplant ist die Erhöhung dieses Anteils auf mindestens 130 bis 150%, um bis 2020 mit dem erwirtschafteten Überschuss den Exportanteil um 30- 40% zu steigern.

Besonderes Augenmerk gilt hinsichtlich der Ziele natürlich der Lebensmittelsicherheit. Aktuell setzen die entsprechenden Gesetze gar wesentlich strengere Standards als dies in der EU der Fall ist. Die Einhaltung dieser unterliegt strengsten Kontrollen. Ungarn war von Lebensmittelskandalen nie betroffen, und dies wissen auch die TQM unserer ausländischen Partner zu schätzen. Passend dazu ist das Anbauverbot genmanipulierter Agrarprodukte im Grundgesetz verankert.

Die ungarischen Lebensmittelhersteller setzen vorrangig auf Qualität. Mit hochwertigen Lebensmitteln sollen so neue Märkte erschlossen werden. Ob Honig, diverse Fleischprodukte, Obst, Gemüse, Bio- und organische Lebensmittel, Obstsäfte, Öle oder Wein: ungarische „Premiumprodukte“ werden in vielen Ländern bereits erfolgreich vertrieben.

In 2016 soll die Einführung und Positionierung der Dachmarke „ÁLDOMÁS“ (der Bedeutung nach „SEGEN“) seitens des Ungarischen Nationalen Handelshauses im Lebensmittelbereich ein hoher Qualitätsstandard gesetzt werden. Das Branding des Produktimages soll auf die gekennzeichneten Unternehmensmarken übertragen werden und für eine durchgängige Widererkennung sorgen. Somit soll ein klares und zuverlässiges Profil ungarischer Lebensmittelprodukte auch im Ausland entstehen.